GASTDENKER

(K)EINE RECHTFERTIGUNG

21. März 2016
schmetterling

gastgedacht von Susi Radman

Ich denke lange und immer wieder über die gesellschaftliche Akzeptanz meines Handelns als Cranio-Praktizierende nach. Und hadere damit. Ich habe den ständig nagenden Drang mich zu rechtfertigen, mich zu erklären. Was tust du da eigentlich? Ein mildes Lächeln, auf meinen Versuch, kurz zu beschreiben, was eine Cranio-Behandlung ausmacht. In Wahrheit verstehe ich es selbst nicht ganz. Und das stört mich. Es macht mich unsicher. Mich, größten Kritiker meiner selbst.

Dinge erspüren. Aha. Mit den Händen. Klar. Oder vielleicht doch mit einem nicht so genau fassbaren Organ? Nennt man es Herz? Oder Seele? Oder haben wir (noch) gar keinen Namen dafür? Was bedeutet das? Es bedeutet in aller erster Linie, dass man als Spinner ganz schnell in einer esoterischen Ecke landet. Von der allgemeinen und etablierten Weltsicht dorthin geschubst.

Selbstverständlich gibt es Dinge, die wir täglich erfahren und nicht wirklich erfassen, „wissenschaftlich belegen“ können. Liebe zum Beispiel. Vielleicht ist es Liebe. Das Ding, durch das wir Cranio-Praktizierenden spüren. Viel zu hochtrabend. Anmaßend. Gut. Nennen wir es liebevolle Neugier. Ja, damit kann ich gut.
Nun bin ich mir aber immer noch die gesellschaftliche Rechtfertigung schuldig, Geld für etwas zu verlangen, das eigentlich jeder könnte, das man nicht messen, oft nicht reproduzieren kann. Was ich vorzuweisen habe, sind Menschen, große und kleine, die mit strahlenden Augen und sanfter Stimme sagen: Es geht mir besser.

Nicht alle.

Wäre das der Beweis für die Wirksamkeit alternativer Heilmethoden, deren Ergebnisse statistisch nicht relevant, und daher quasi nicht vorhanden sind? Alle immer ganz gesund zu machen? Lückenlose Seligkeit? Was machen wir dann mit den etablierten, wissenschaftlichen, am besten naturwissenschaftlichen, Heilmethoden? Lückenlose Seligkeit?

Wie auch immer, ich bin letztlich sehr überzeugt von dem, was ich tue. Es macht mich glücklich zu sehen, dass ich anderen helfen kann. Es macht mich wütend, immer wieder darüber nachzudenken, wie ernst ich dabei genommen werde.Wie groß ist der Teil des Universums, dessen rechthaberischer Spross wir sind, von dem wir noch nicht einmal eine vage Vorstellung haben? Wie arrogant ist es also zu denken, unsere Welt bereits bis in den letzten Winkel erklären zu können?

Der Blick auf das Bekannte macht stolz, erhellt, gibt Sicherheit. Der Blick auf das (noch) Unbekannte sollte demütig, nicht überheblich machen.


Mag. S1969157_1495270374086414_4543844856048567074_nusi Radman hat das Studium der Romanistik absolviert und nach langjähriger Unterrichtstätigkeit in Schüler- und Erwachsenenbildung ihrenWeg zurpersonenzentrierten Arbeitsweise, unter anderem mit Hilfe der Cranio Sacralen Impulsregulation, gefunden.

www.susi-radman.at

 

Meine Empfehlungen: