Ein persönlicher Nachruf auf Erich von Däniken
Während der letzten Tage sind weltweit unzählige Nachrufe auf Erich von Däniken (14. April 1935 – 10. Jänner 2026) erschienen. Manche gewohnt spottend, die Mehrzahl erstaunlich neutral und mehr als von mir angenommen durchaus wertschätzend. Sämtliche Fakten und Bewertungen zu dem erstaunlichen und ereignisreichen Leben des Erich von Däniken lassen sich in diesen Texten auf vielschichtige Weise lesen. Meine Zeilen sind persönlich.
Es war der 1. November 2009, als die Tore des Mystery Parks in Interlaken in der Schweiz endgültig schließen sollten, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Meine Eltern haben es mir damals ermöglicht und sind spontan für ein Wochenende rund 1.000 Kilometer (und dasselbe dann wieder retour) in die Schweiz gepilgert, obwohl eigentlich nirgends ersichtlich war, dass Du an diesem „Abschieds-Apero“ teilnehmen wirst. „Wenn der Mystery Park schließt, dann ist der Däniken sicher dort“, habe ich meinen Eltern auf ihre berechtigten Zweifel entgegnet. Und tatsächlich saßt Du da in Deinem blauen Jackett. Meine Ehrfurcht war groß, plötzlich wurde ich nervös. Mein Papa hat mich in dem Wissen der extra gefahrenen Kilometer motiviert, Dich anzusprechen. „Grüß Gott, Herr von Däniken, darf ich ein Foto mit Ihnen machen?“ An das genaue Gespräch kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber wahrscheinlich warst Du in Deiner Bescheidenheit erstaunt, dass wir extra wegen Dir so weit gefahren sind. Diese spontane Reise, diese Förderung meiner Leidenschaft durch meine Eltern zur richtigen Zeit, diese Begegnung mit Dir war der Beginn eines langen, großen Abenteuers, von dem ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal erahnen hätte können, wie sehr es mich prägt.
Deine Thesen haben mich bereits die Jahre davor und natürlich nach unserer Begegnung gefesselt wie nichts anderes in meiner Jugend. Es war das Unerklärliche, für das Du mit Deinem ersten Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ 1968 Erklärungen hattest, die Fragen, die Du gestellt hast, wo andere zu denken aufgehört haben, der generelle Mut, den Du hattest. Die Thesen haben mich beeindruckt, aber noch vielmehr warst Du es als Persönlichkeit. 2010 hieltest Du einen Vortrag im Audimax der Universität Wien. Mein Freund Michael Huber, sein Vater und meine halbe Verwandtschaft haben daran teilgenommen und Deinen Ausführungen gelauscht. Erstmals Däniken live, nicht nur auf YouTube, DVDs oder im linearen Fernsehen – was für ein Feuerwerk! Mir war klar: Diesen Mann möchte ich genauer kennenlernen. Lange habe ich überlegt, wie ich das anstellen kann. Dich in Wiener Manier einfach auf einen Kaffee einzuladen, schien mir doch zu trivial. Und so habe ich nach längerem Grübeln etwas entdeckt, das mein Leben bis zum heutigen Tag formen soll. Das Interview wurde für mich zum Instrument, Menschen genauer kennenzulernen. Doch es war nicht nur meine Erkenntnis, dass dies die einfachste und auch seriöseste Methode ist, jemandem nah zu sein und ihm ungeniert sämtliche Fragen stellen zu können, sondern auch Deine Bereitschaft dazu. Diese Bereitschaft war geprägt von einer Offenheit, die mir so fremd war, dass sie mir beinahe außerirdisch erschien. Du hast einfach Ja gesagt und mir die Telefonnummer Deines Sekretärs gegeben. Ich war damals 17, hatte keine Interviewerfahrung, kein Medium im Hintergrund und kein Equipment, um das Gespräch auch nur irgendwie aufzuzeichnen – und ich bin mir sicher, dass ich große Unsicherheit ausgestrahlt habe. Aber Du hast einfach Ja gesagt. Für Dich mag es eine Kleinigkeit gewesen sein. Du hast einem Fan einen VIP-Moment ermöglicht, für mich war es einer der prägendsten Momente meines bisherigen Lebens. Ein paar Monate später war ich auch schon in der Schweiz. Rückblickend war es mit Abstand das schlechteste meiner Interviews. Du hast mir aber tatsächlich rund 40 Minuten Deiner kostbaren Zeit geschenkt. Was für eine Ehre, Erich!
Von diesem Moment an blieb der Kontakt irgendwie bestehen. Über Reinhard Habeck, einen Wiener Autor, Cartoonisten und mittlerweile innigen Freund, war ich plötzlich immer dabei, wenn Du mit Deinem Team nach Deinen Vorträgen in Wien essen warst. Keinen Vortrag im Osten Österreichs habe ich verpasst. Recht bald hast Du mich zu Dir auf den Beatenberg in die Schweiz eingeladen. Oft hast Du gesagt, dass es sich hier um den „schönsten Ort der Welt“ handelt. Mit keiner Silbe möchte ich Dir widersprechen. So oft habe ich Dich in der Zwischenzeit dort besucht und konnte jedes Mal bei Sonnenschein, Nebel oder dichtem Schneefall die Schönheit dieses Ortes erleben. Dies immer im Dorint an der Bar oder am Stammtisch draußen. Jeder, der Dich kannte, weiß, dass Zigaretten, Rotwein und Johnny Walker Black Label die Begleiter dieser Zusammenkünfte zu späterer Stunde waren. Erlebt habe ich in diesen 15 Jahren am Berg mit Dir so unglaublich viele berührende, lustige und auch mystische Geschichten, ich könnte ein Buch darüber füllen. Sie gehören allerdings zu den schönsten Geschichten meines Lebens, darum möchte ich sie für mich behalten und nur im kleinen Kreis teilen.
Einige Jahre später, im Jahr 2017, habe ich Dich ein zweites Mal interviewt. Wieder rund 40 Minuten, wieder hast Du Dir Zeit genommen und mir sehr entspannt meine Fragen beantwortet. Die Fragen waren andere als bei unserem ersten Gespräch. Persönlicher, investigativer, kritischer. Nach acht Jahren unserer Verbindung ist das eingetreten, was Du mir schon recht zeitig prophezeit hast. „Es wird die Zeit kommen, da wirst du mich kritisieren – und das ist auch gut so“. Diese Wandlung vom bewundernden Jugendlichen zum kritisch denkenden jungen Erwachsenen ist während dieser acht Jahre passiert. Inhaltlich auf Dein Thema bezogen, aber auch politisch habe ich Diskrepanzen erkannt, die ich in meine Interview-Fragen einfließen ließ. Für mich wurde es zu einem meiner besten Interviews. Es hat sich etwas manifestiert, was Dir immer sehr wichtig war. „Glauben sie mir nichts! Machen Sie sich Ihr eigenes Bild“, hast Du nach Deinen Vorträgen oft abschließend gesagt. Und genauso hast Du es gemeint. Du wolltest nicht angehimmelt werden, Du wolltest hinterfragt und kritisiert werden. Fachlich, nicht persönlich. Dir war es wichtig, dass die Menschen selbst denken.
Dank Dir habe ich auch so viele andere Menschen kennengelernt, von denen ich viele heute zu meinen Freunden zählen darf. Von einer Aufzählung sehe ich ab, weil ich bestimmt jemanden vergessen würde. Aber die Menschen, die ich meine, wissen es. Eine besondere Bekanntschaft möchte ich aber trotzdem hervorheben. Die mit Deiner wunderbaren und herzensreinen Frau Elisabeth, mit der ich 2015 ein ausführliches Interview über ihr Leben geführt habe, das tausende Menschen berührt hat und jetzt zu Deinem Tod wieder zu vielen Reaktionen führt. Alle haben einen Tenor: Du hattest einen großen Schatz in Elisabeth. Dass Dir das bewusst war, habe ich gespürt. So war es das Erste, was Du gemacht hast, als Du nach Deiner Arbeit im Büro in Interlaken im Dorint am Beatenberg angekommen bist: ein Anruf bei Deiner Frau. „Von Däniken.“ – „Ja, hier auch von Däniken. Ich bin gerade im Dorint angekommen.“ Ein herzerwärmendes Zeichen der Verbundenheit im hohen Alter, das ich da jedes Mal erleben durfte.
Und dann hast Du mir 2018 ein weiteres Mal großes Vertrauen geschenkt. Deine Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI hat mich gefragt, ob ich künftig die Moderation des One Day Meeting übernehmen möchte. Eine Veranstaltung, die einmal jährlich stattfindet und auf der Autoren ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Anscheinend hätte es anfangs als Co-Moderator sein sollen, aber Du hast ein Machtwort gesprochen: „Wenn der Kirchner das macht, dann macht er es allein“. So ist es passiert und ich habe eine Art Déjà-vu erlebt. Ich habe die Moderation vor Hunderten Gästen dieser Veranstaltung übernommen, obwohl ich zuvor überhaupt keine Erfahrungen in diesem Bereich sammeln konnte. Es war wieder Dein großes Vertrauen, das Du mir in diesem Moment geschenkt hast und das mir Türen eröffnet hat.
Du hast mit Deinen Handlungen, Deinen Gesten und mit Deiner Präsenz zu einem großen Teil dazu beigetragen, dass ich heute der bin, der ich bin. Aber Du hast nicht nur mich, sondern Millionen von Menschen mit Deinen Büchern geprägt. Du warst ein Geschenk für diese Welt, hast die Menschheit dazu gebracht, ihren Blick und ihre Gedanken wieder weit über die Grenzen unserer Welt zu richten und uns alle somit kulturell reicher gemacht.
In meiner Jugend habe ich Dich angehimmelt, später kritisiert und in den letzten Jahren habe ich versucht, Dich zu verstehen. Was für eine Ehre, dass ich den Menschen hinter dem Idol kennenlernen durfte. Es waren Facetten Deiner Person, die man in keiner Dokumentation, keinem Film und keinem Interview von Dir zu sehen bekommen hat. Dein Geduldsfaden war nicht der längste, Dein Herz war dafür umso größer. Abseits der Hektik Deines Lebens warst Du ein sehr feinfühliger, ruhiger und am Gegenüber unglaublich interessierter Mensch, der Freude an der Freude des anderen hatte.
Du warst ein Vorbild in vielen Belangen, in manchen auch Ziel meiner Kritik, eine große Inspirationsquelle und Förderer meiner Talente, die ich oft selbst noch nicht erkannt habe, aber vor allem – und das bedeutet mir am meisten – ein guter Freund. Es tut gut zu wissen, dass ich Dir alles, was hier steht, auch im persönlichen Gespräch gesagt habe. Du wusstest, was Du mir bedeutest und hast keine Gelegenheit ausgelassen, mir zu sagen, was ich Dir bedeute. Wir sind uns nichts schuldig.
Erich, mach’s gut in der nächsten Runde.
Danke Dir für alles, Du Blauweltler!














