NACHGEFRAGT

„Ich möchte nicht Regisseur meiner letzten Szene sein“

9. Juli 2017
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Er ist einer der erfolgsreichsten Sachbuchautoren der Welt, hat rund 70 Millionen Bücher verkauft, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. Der Schweizer Phantast im blauen Jackett ist nachwievor unermüdlich auf weltweiter Vortragstournee und reist auch im hohen Alter zu archäologischen Stätten rund um den Globus. Trotz Herzschrittmacher erfreut sich der genüssliche Raucher und Weintrinker guter Gesundheit. „Mein Antrieb ist da. Ich möchte den Zeitgeist verändern.“

Ein paar Tage vor seinem 82. Geburtstag durfte ich ihn in seinem Büro in Interlaken besuchen, um mit ihm über sein Leben, seine Theorie, den umstrittenen  KOPP-Verlag und seinen Tod zu sprechen. Außerdem erzählte er, was wahrscheinlich aus ihm geworden wäre, hätte er keinen Weltbestseller geschrieben. Ein hellwacher, kritischer Geist, der mit seinen Aussagen einen Nerv trifft, aber nicht minder polemisiert. Erich von Däniken im Interview:

Andreas Kirchner: Du bist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren der Welt, hast 1968 Dein Erstlingswerk „Erinnerungen an die Zukunft“ veröffentlicht, bis jetzt rund 70 Millionen Bücher verkauft, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. Du hast mit Deinen Publikationen das Themengebiet der Prä-Astronautik in unserer Gesellschaft etabliert. Für Leute, denen das noch nichts sagt, kannst Du es in einem Satz umreißen?

Erich von Däniken: Vor vielen, vielen Jahrtausenden – unsere Vorfahren waren damals Steinzeitleute – landeten mal Außerirdische hier. Unsere Vorfahren begriffen nichts. Sie meinten irrtümlicherweise, diese Außerirdischen seien Götter. Wir alle wissen, es gibt keine Götter. Die sogenannten Götter verhielten sich so, wie sich heute Ethnologen  benehmen würden. Sie haben ein paar Stämme studiert, ein paar Sprachen gelernt, ein paar Ratschläge erteilt und sind irgendwann wieder verduftet. Aber vorher haben sie versprochen, in einer fernen Zukunft  wiederzukommen. Das ist Prä-Astronautik.

Dein Buch hat in den 1960er-Jahren eingeschlagen wie ein Komet, möchte man fast sagen. Ich habe da eines der ersten Exemplare, allerdings aus dem Jahr 1970. Das heißt 1968 hast Du es veröffentlicht,  das ist die 29. Auflage. Ist das nicht wahnsinnig? Wie verkraftet man das als junger Mensch?

Ich bin in der Gastronomie aufgewachsen. Und als ich das Buch schrieb, war ich Direktor eines Hotels in der Schweiz in Davos. Ich habe es eigentlich ganz, ganz gut verkraftet. Als Hoteldirektor wusste ich sowieso, wie man mit Menschen umgeht. Als sich dann langsam die Kassen füllten – ich verdiente damals recht gut – sagte ich, „Erich, jetzt machst du aus deinem Hobby einen Vollzeitberuf“, und habe dann die Gastronomie aufgegeben.

Das heißt, Du hast damit umgehen können. Es ist Dir nicht zu Kopf gestiegen?

Nein, um Gottes Willen. Meine Bekannten sagen, ich bin unverändert der selbe Trottel wie früher.

Du warst schon als junger Mensch sehr viel reisend unterwegs. Wie hast Du Dir das – vor allem vor der Buchveröffentlichung – leisten können?

Ich konnte es mir überhaupt nicht leisten. Ich verdiente genauso wenig, wie alle anderen und hab mir da und dort Geld zusammengeborgt. Natürlich von guten Freunden und von der Familie, weil ich absolut sicher war. Ich war immer sehr selbstsicher, das was ich mache, wird Geld bringen. Und es ist auch so gekommen.

Du bist mit einem Luxusdampfer um die Welt gereist.

28 EvD an Bar(arbeit)Ich war auf der Holland-America Line. Die Holland-America Line war damals eine der großen Schifffahrtsgesellschaften. Die Holland-America Line betrieb große Schiffe, wie zum Beispiel die Nieuw Amsterdam, Rotterdam, Ryndamm. Das waren Passagierkräne mit tausend Leuten drauf. Damals war das sehr, sehr viel. Angeheuert hatte ich als Kellner, man nennt das Stewart am Bord eines Schiffes. Aber da ich schon als junger Mann ziemlich sprachbegabt war, hat das der Chef-Stewart schnell begriffen und ich durfte die Menükarten übersetzen. Von Deutsch in Französisch, von Französisch in Englisch und von Englisch in Holländisch. Der nächste Schritt war, ich war derjenige im Chief-Stewart-Office, der die Lautsprecheransagen machte. Wenn irgendwas lief am Schiff, kam immer Erich von Dänikens Stimme in vier verschiedenen Sprachen und sagte, was heute an Bord los ist.

Hast Du irgendwie eine Zahl im Kopf, wie viele Kilometer Du bist jetzt gereist bist?

(lacht) Ich hab wirklich keine Ahnung. Ich hab sicher über 100 mal die Welt umrundet, ich weiß nicht wie viel.

Was Dich genauso ausmacht, wie die vielen Reisen, ist Dein blaues Jackett. Wieso blau und nicht rot?

Das ist eine blöde Frage. Dazu passt eigentlich die Antwort. Wieso sind Eisbären weiß? Wenn sie rot wären, würden sie Erdbeeren heißen. Ich stand immer auf Blau, Blau ist meine Farbe und nicht mein Zustand. Mein Schlafzimmer – wo niemand reinkommt – ist komplett blau. Ich bin dauern eingehüllt von einer blauen Decke, blauen Wänden. Und das Jackett gehört zu mir. In meinem Schrank hängen vierzehn davon.

Lange Zeit meinte man, vor allem in unseren Breiten, Däniken hat seine Hochzeit bereits erlebt. Wenn ich Menschen, die nichts mit der Thematik zutun haben, von Dir erzählte, haben sie oft gefragt: „Was, der Däniken, der lebt noch?“. Jetzt Anfang des 21. Jahrhunderts scheint es wieder umgekehrt zu sein. Däniken und seine Theorie erleben einen Höhenflug. Woher kommt das?

Das hängt mit dem Zeitgeist zusammen. Der Zeitgeist ist die Erscheinung, die Menschenmassen immer nur bestimmte Dinge zu sagen und zu denken erlaubt. Und der Zeitgeist hat sich verändert. Zum Teil dank mir, aber nicht nur dank mir. Es gibt unzählige äußere Umstände, die den Zeitgeist verändert haben. Beispielsweise die gigantischen Science-Fiction-Filme. Wer kennt nicht Star Wars, Star Gate, Prometheus? Millionen von Menschen haben das gesehen und fragen sich, sind wir allein im Universum? Gibt es da tatsächlich andere, könnte das sein? Dann gibt es Fernsehsendungen wie zum Beispiel Ancient Aliens im History Channel in den USA. Das läuft zur zeit in der 150. Fortsetzung  mit wirklich einer riesen Auflage, einem Millionenpublikum. Das alles ändert den Zeitgeist. Dann kommt Erich von Däniken  mit seinen rund 70 Millionen Büchern. Aber ich bin weiß Gott nicht alleine. Es gibt weltweit viele brillante Autoren, die das selbe Thema in ihren Ländern vertreten. Der Zeitgeist hat sich geändert. Heute traut man sich. Außerirdische? Ja, das ist möglich. Früher sagte man: „Ja, wenn schon, die kommen nie zu uns, weil die Distanzen von Stern zu Stern nicht überbrückbar sind.“ Inzwischen weiß man, das ist machbar. Die können zu uns kommen. Der letzte  Einwand: Außerirdische sollen menschenähnlich sein? Vergiss es! Sie können durchaus menschenähnlich sein. Das schließt nicht aus, dass es total andere Arten von Außerirdischen gibt. Aber die, wie wir, gibt’s auch. Das hat eine bestimmte Logik. Darüber können wir vielleicht später reden.

Weil du den Zeitgeist ansprichst. In unserem ersten Interview 2010 hast Du gesagt, „Der Zeitgeist ist etwas, was mich krank macht“. Jetzt, sieben Jahre später, scheint er auf Deiner Seite zu sein.

Der Zeitgeist hat sich gewandelt. Noch nicht so, wie ich es wünsche. Es könnte noch viel, viel mehr passieren. Ich wünsche mir das irgendwas Spektakuläres geschieht von Seiten der Außerirdischen. Dass sie sich tatsächlich zeigen. Im Hinterkopf hab ich da Fatima. Vor 100 Jahren – 1917 – haben sich die Außerirdischen über dem portugiesischen Dorf Fatima gezeigt. Sie haben dem Papst eine Botschaft gegeben, die er der Menschheit 1960 überbringen sollte. Er hat es nicht gemacht. Jetzt ist das Jahr 2017. 100 Jahre später. Und da der Papst sich immer noch nicht geäußert hat, könnte ich mir vorstellen, dass diejenige, die uns da beobachten, es selbst machen und meinen, jetzt zeigen wir uns.

Dann müssten die Außerirdischen aber auch in Erdenjahren denken.

Das tun sie selbstverständlich. Die denken in ihren Jahren und in Erdenjahren. Wenn wir zum Mars gehen, haben wir natürlich den irdischen Kalender dabei, aber den Mars-Kalender auch. Beides zusammen.

Es gibt die Theorie, Däniken wird wieder aktueller, weil wir in unserer schnelllebigen Zeit etwas brauchen, an das wir glauben können.

Glauben soll man nicht. Ich mag das Wort „glauben“ nicht. Glauben ist eben Religionssache. Glaube ist schlimm. Es steht doch so im Evangelium: Seelig sind, die nichts sehen und doch glauben. Ich find’s verheerend. Irgendeiner Person glaubst du, was sie sagt. Und die kann den größten Stuss raus lassen und du glaubst es ihr. Glaube ist nicht gut, wissen soll man. Man soll nachforschen…

Deine Leser müssen Dir doch glauben bzw. sie glauben Dir.

Sie müssen mir nicht glauben.

Aber sie tun es. Sie hängen an Deinen Lippen und glauben.

Wenn es einige tun, ist das schön. Sie müssen nicht. Mir wäre lieber, sie würden mal schauen, stimmt denn das, was der Däniken sagt. Es gibt ja Quellen am Ende des Buches. Hallo, kann man das kontrollieren? Gibt’s die Orte? Gibt’s die heiligen Schriften? Das soll man. Aber glauben, das ist das Wort, das mir gar nicht passt.

Jahrzehntelang hast Du Dich dagegen gewehrt, UFO-Forscher genannt zu werden. Jetzt in den letzten Jahren kommt ein Wandel. Warum beschäftigst Du Dich jetzt mit UFOs? Am Vortrag vor ein paar Tagen in Wien hast Du zu einem großen Teil die UFO-Thematik behandelt.

Richtig. Da ist tatsächlich ein Wandel. Ich war genauso Opfer wie Millionen anderer vernünftiger Leute. Vernünftige Leute denken, UFO ist doch Quatsch. Es gibt logische , natürliche Erklärungen für UFOs. Von Heißluftballonen, Insektenschwärmen, nächtlichem Scheinwerferlicht, Laserstrahlen. Das kann man alles natürlich erklären, sagt sie Wissenschaft und die Vernunft. Und dann kam ans Tageslicht, dass der amerikanische Geheimdienst CIA schon vor über 50 Jahren einen  Befehl an alle Geheimdienststellen weltweit herausgegeben hat. Alle UFO-Sichtungen sollen lächerlich gemacht, UFO-Gruppe sollen unterwandert werden. Das ganze Thema soll der Lächerlichkeit Preis gegeben werden. Und das hat gewirkt. Überall in Wissenschaftskreisen, in Journalistenkreisen hat man UFO als lächerlich gehalten, man wollte den Leuten gar nicht zuhören. Man dachte von vornherein wieder so eine Spinnerin, so ein Spinner. Seit man diesen Befehl der CIA kennt, fühle ich mich missbraucht als nützlicher Idiot. Ich wollte auch immer vernünftig sein. Zuerst das Vernünftige sachlich ablegen, bevor man dann zu etwas relativ Unvernünftigem kommt. So hat sich meine Meinung geändert. Unterstützt werde ich natürlich durch viele namhafte Leute, die ich kennenlernen durfte. Die mir kühl und sachlich erzählen, „Erich, es ist so. Wir werden  beobachtet, das wissen wir inzwischen offiziell. Wir sagen es der Öffentlichkeit nicht.“

Wer sind diese Leute?

Edgar_Mitchell_croppedmitchell und EvD Zum Beispiel Ed Mitchell. Bei dem habe ich gut in Erinnerung, der saß auch hier auf dem Tisch. Ed Mitchell war amerikanischer Astronaut und der sechste Mann auf dem Mond. Er sagte mir, vor jedem Flug als sie den Mondflug machten, seien sie gründlich gebrieft worden. Ein ernstes Gespräch zwischen Astronauten und einem oder zwei Wissenschaftlern. Man hat ihnen gesagt, ihr werdet höchstwahrscheinlich auf einem Flug zum Mond irgendetwas sehen, von dem ihr begreift, es ist nicht irdisch. Ihr dürft im Funk das Wort „außerirdisch“, „extraterrestrisch“, „UFO“ nie verwenden. Es sind immer Codeworte vereinbart worden, weil sie Amateurfunker das Zeug auf der Erde abhören. Das höre ich von einem Mann, der weiß, was er sagt. Und ich kenne andere. Nick Pope zum Beispiel. Der war jahrzehntelang im britischen Verteidigungsministerium zuständig für die Geheimhaltung der UFO. Dann wurden die Akten freigegeben. Nick Pope hat mir nächtelang Geschichten erzählt. „Erich, das hatten wir alles auf dem Tisch. Wir haben es alle unterschlagen, in voller Absicht. Es sollte nicht an die Öffentlichkeit gehen.“ Auch Paul Theodore Hellyer. Hellyer war sechs Jahre Verteidigungsminister Kanadas, 22 Jahre Mitglied des Parlaments. Hellyer sagt heute ganz sachlich, wir werde beobachtet. Außerirdische sind unter uns. Der weiß, wovon er redet. So viele andere. Das hat meinen Standpunkt auch beeinflusst. Und ich sage, jetzt kann man dazu stehen. Was stimmt? Natürlich, Unsinn bleibt immer noch, was Unsinn ist.

Was ist der eindrücklichste und seriöseste Beweis einer UFO-Sichtung?

Der Bentwaters-Fall soll laut Nick Pope der unwiderlegbarste sein. Bentwaters ist irgendein Kaff in England und war früher ein Stützpunkt der Royal Airforce. Inzwischen ist es ein Nato-Stützpunkt. Da ist ein Flugplatz, auf dem starten Jets, Kampfjets. Und an irgendeinem Abend bemerkten die Radaroffiziere, dass ein Objekt direkt aus dem Weltall auf den Stützpunkt losfliegt. Sie konnten nichts dagegen machen. Außer dem Radar hatten sie nichts. Das Objekt hielt über dem Stützpunkt an, schwebte langsam über die Piste, über den Stacheldrahtzaun, über ein Wäldchen, blieb über den Wipfeln stehen und begann sich in den Wipfeln zu versenken. Man sah das Licht vom Kontrollturm aus. Die glaubten natürlich, das sein ein Anschlag, vermutlich arabischer Seite. Schickten Helikopter rüber, mit Soldaten mit Maschinenpistole. Da war keine Menschenseele, sondern nur das Licht. Das Licht hatte die Form eines Dreiecks. Es ist dann später wieder langsam hochgestiegen, hat Äste berührt, Wipfel sind nach unter gekracht. Der Boden übrigens – es war am 28. Dezember – war damals gefroren. Der Boden hatte Eindrücke. Du frägst, unwiderlegbar, beweisbar? Einer der Soldaten hatte die ganze Zeit eine Kamera dabei. Der ganze Auftritt, auch das Licht, das dreieckige, ist gefilmt worden. Die Radardiagramme sind auch da.

„Die Skeptiker-Gruppen tun so,
als ob sie die Wahrheit mit Löffeln gefressen hätten.“ingi2

Wurde Dir das zugespielt?

Nein, das hat mir Nick Pope vom britischen Verteidigungsministerium erzählt. Er sagte, „Erich wir haben viele Fälle, die können wir nicht mehr widerlegen. Die ganze Wissenschaft und die ganze Vernunft nicht mehr.“ Ich ärgere mich dann immer wieder. Es gibt diese Skeptiker-Gruppe. Grundsätzlich habe ich da nichts dagegen. Ich bin froh, wenn man skeptisch ist. Nur, die tun so, als ob sie die Wahrheit mit Löffeln gefressen hätten. Und so manches, was sie wissenschaftlich, sachlich darstellen, stimmt hinten und vorne nicht. Zum Bentwaters-Fall hat einer der Skeptiker vom Bildschirm gesagt, der Fall sei doch längstens geklärt. In ein paar Kilometer Entfernung ist ein Leuchtturm. Der Leuchtturm schleudert sein Licht im Kreis herum und man hätte sich in Bentwaters dadurch irritieren lassen. Himmel, Herrgott noch einmal, seit wann bringt’s das Licht eines Leuchtturms fertig, Äste einstürzen zu lassen und Eindrücke im gefrorenem Boden zu hinterlassen? Wir lassen uns von sachlich klingenden Leuten etwas vormachen. Auch von Wissenschatlern, die es selbst gar nicht besser wissen. Die glauben das alles auch, das sei die Lösung. Es wird nicht gelogen. Und wir Idioten nicken alle brav mit und merken nicht, dass wir haarstäubend belogen werden. Nicht mal absichtlich, man erzählt uns die Unwahrheit im Tone eines Wissenschaftlers.

Du zeigst bei Deinen Vorträgen ein Video, in dem ein angebliches UFO bzw. ein UFO – es ist ja ein unbekanntes Flugobjekt – gefilmt wurde. Was gibt’s dazu zu sagen? Da hat man etwas, was man ansehen kann, das andere sind Erzählungen.

Mir hat ein amerikanischer Kampfpilot einen Brief mit einem Video geschickt. Er schrieb, er habe es über Puerto Rico aufgenommen. Puerto Rico ist eine Insel in der karibischen See. Er mache  Kontrollflüge gegen Drogenschmuggler. Drogenschmuggler ziehen zwei, drei Meter unter dem Wasser eine Art Miniaturunterseebot und der Radar auf der Wasseroberfläche kann sie nicht orten. Vom Flugzeug aus siehst du sie. Dann sah er plötzlich das UFO. Er habe den Auslöser der im Flugzeug festmontierten Kamera gedrückt. Ab diesem Moment werden alle aktuellen Daten ins Bild eingespeist. Wie hoch ist das gefilmte Objekt? Wie schnell ist es? Was ist seine Position? Also geographische Längen- und Breitengrade auf fünf Meter genau. Sehr, sehr präzise. Das wird dauernd im Bild eingeblendet. Alle Zehntelsekunden ändern die Daten. Und weil alle Daten da sind – die wären übrigens kontrollierbar – weiß man, der Film ist echt. Man sieht ein UFO, das rast über Felder, dann über einen Flugplatz, der für etwa zwei Stunden stillgelegt wird. Auch der Militärflugplatz daneben. Danach taucht das Ding ins Wasser, man sieht Wasserfontänen, keine optisch Illusion. Dann verschwindet es für zwei, drei Sekunden und dann tauchen aus dem Wasser zwei Objekte auf. Das ist erschütternd. Diese Art von Technologie haben wir auf der Erde nicht.

Das Argument, dass sich dieses Video nicht fälschen lässt, erschließt sich mir nicht ganz. Mir der Argumentation könnten auch keine Hollywood-Filme gedreht werden.

Das wäre wirklich ein Aufwand. Könnte ich mir nicht vorstellen. Das Video ist übrigens schwarzweiß, keine Hollywood-Filmqualität. Und die Daten ändern so genau, so schnell, das wäre ein wahnsinniger Aufwand. Dann hätte man es auch ganz anderswo hin gespielt. Dem Fernsehen und nicht nur mir geschickt. Und der Pilot schreibt dann auch dazu, er habe das alle erlebt, er war dabei.

Wie stehst Du zu Wikipedia?

Ach Gott. Ich schau immer dankbar rein, wenn ich etwas suche. Früher hat man ins Lexikon  geschaut. Hier hinter mir gibt es Lexikon-Bände, da hat man alles gesucht. Heute schaut man in Wikipedia rein. Aber immer wenn ich nach Dingen suche, die mich selbst betreffen oder die Thematik – in der ich wirklich bewandert bin – merke ich, wie unzuverlässig dieser Wikipedia-Schmarrn ist.

Auf das möchte ich hinaus.

Da steht Zeug drin, da kannst du kotzen. Es stimmt hinten und vorne nicht. Und wenn du es korrigierst, ändert es nichts. Zwei Tage später ist der alte Schmäh wieder drin.

„Die Prä-Astronautik hat komischerweise immer noch etwas mit Politik zutun.“

Wie Du sagst, gibt es auch über Dich einen Artikel. Unter der Rubrik „Auszeichnungen“ werden zwei Sachen angeführt. Der ig-Nobelpreis und das „Goldene Brett vorm Kopf“. Das sind zwei satirische Preise, die Dein Lebenswerk als Unfug darstellen. Die Ehrendoktorwürde der Universidad Boliviana, die Dir 1975 überreicht wurde, die Ehrenbürgerschaft von Nazca und Ica 1987 oder der World Explorer Preis 2004 ist dort nicht erwähnt. Wie erklärst Du Dir das?

Einseitigkeit. Das ganze Thema, das ich beackere, hat komischerweise immer noch etwas mit Politik zutun. Obschon ich es nicht auf diese Schiene heben will. Es gibt grundlegende Richtungen. Das eine ist Religion und das andere ist Wissenschaft. In der Wissenschaft gilt die Evolutionslehre. Die Evolutionslehre gilt für alle normalen Menschen als absolut gesichert. Und im Wesentlichen ist sie ja auch gesichert. Wir sind Produkte der Evolution. Nun ist es komischerweise so, in der allgemeinen Politik ist die Linke auf der Seite der Evolution. Die sogenannte Rechte, die hält auch noch anderes für möglich außer Evolution. Ich habe unzählige Male gestritten mit derartigen Leuten, die mir immer wieder sagen, „Erich, du sagst die Außerirdischen seien da gewesen. Erstens gibt es die gar nicht. Du sagst, sie hätten Sex mit unseren Vorfahren gehabt. So ein Blödsinn. Sie können keinen Sex haben. Du sagst, unsere Vorväter sind genetisch beeinflusst worden.“ Das ist alles gegen die Evolution. Charles Darwin und Marx kannten sich. Nach dem Autor von „Die Entstehung der Arten“ und der kommunistischen Ideologie ist Gott tot. Wir brauchen keinen Gott. Für alles reicht die Evolution. Jetzt kommt so ein Trottel wie dieser Däniken und erfindet neue Götter. Da muss man einfach politisch dagegen sein. In ihren Augen erfindet der etwas, was gar nicht stimmt. Sie haben sich nie mit der Sache befasst. Keine politisch Linken lesen Däniken vollständig. Keiner würde in einem Vortrag zu mir kommen. Die finden das von vornherein zu blöd, dass sie keine Zeit aufwenden, ein Däniken-Buch zu lesen. Und genau daran harzt es.

Siehst Du das als Verschwörung Dir gegenüber oder ist das der Zeitgeist?

Nein, es ist ganz einfach Bequemlichkeit. Ich sehe keine Verschwörung. Überhaupt nicht. Man hat keine Lust, das liegt im Menschen so. Wir sind so angelegt, dass wir Lust und Unlust empfinden. Wir suchen  das, was uns Lust macht. Ein politisch Linker geht nicht an eine Versammlung von einem politisch Rechten. Aber umgekehrt genauso nicht. Der politisch Rechte geht auch nicht an eine Versammlung eines politisch Linken. Beide Teile finden es überflüssig. Unlust. Was soll ich dem zuhören? Genau daran krankt das ganze System. Wir sollten aufeinander zugehen. Mehr von einander lernen, zuhören. Dann ändert sich diese Verkrampfung und damit der Zeitgeist.

Du lebst zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Presse, weil sie Interviews mit Dir druckt oder Ankündigungen für Deine Vorträge macht. Zeitgleich kritisierst Du sie aber in Deinen Vorträgen immer wieder als „Verschweigerpresse“.

 Richtig.

Wie geht das zusammen?

Ach Gott.

Däniken verschweigen sie ja nicht.

Oh doch. Däniken verschweigen sie sehr wohl. Über Däniken könnte man viel, viel mehr schreiben. Ich hab es noch nie erlebt, dass in irgendeinem großen, weltweiten Magazin wie Der Spiegel oder Focus eine Geschichte über Prä-Astronautik – es muss gar nicht über mich sein – sachlich, objektiv, Für und Dagegen behandelt worden ist. Das sind einfach Themen, die klammert man aus. Wenn du in der Weltpresse überhaupt irgendetwas über UFO liest, dann nur im Sinne von Spott. Etwas über sogenannte Kornkreise, dann nur spöttisch, mit spöttischen Untersätzen. Ich sehe auch hier keine Verschwörung. Die meinen, das sei so. In meinen Vorträgen kommen immer wieder alte, heiligen Schriften vor. Und vor 150, 200 Jahren haben Professoren – brillante Männer, die meisten wahren mehrsprachig – diese Schriften übersetzt. In ihrem Zeitgeist gab es keine Raumfahrt, es gab keine Fliegerei. All das, was da stand, musste vernünftigerweise religionspsychologisch übersetzt werden. Man geht in den Himmel und da sind Engel. Heute sieht man es anders. Jetzt könnte ich sagen, schon vor 150 Jahren haben sich die Professoren gegen die Theorie verschworen. Natürlich haben sie sich nicht verschworen. Sie konnten gar nicht anders. Es war ihr guter Glaube, ihre Vernunft der jeweiligen Zeit. Aber inzwischen hat sich der Zeitgeist geändert. Wir sehen, es gibt andere Möglichkeiten der Übersetzung. Und die anderen sind vermutlich vernünftiger.

Das Thema Nazca wird definitiv marginal in den Medien behandelt.

n1 Nazca ist für mich ein Meisterbeispiel der Manipulation der Öffentlichkeit. Wobei wiederum die Gelehrten gar nicht verschwören. Da gibt’s Dokumentationen im Fernsehen. Der Laie nimmt an, das ist wissenschaftlich. Und dann sieht man, wie ein paar Männer über die ebene von Nazca laufen, wie sie mit ihren Füßen die rostbraunen Steine wegkratzen und wie ein heller Untergrund zum Vorschein tritt. Was alles richtig ist, das ist tatsächlich so. Dann sieht man, wie eine Gruppe von Indios auf Trampelpfaden ein bisschen die rostbraunen Steinen wegtrampelt, und so entsteht dann eine Figur, die man vorher ausgelegt hat. Eine große Figur von einem Fisch oder einem Vogel. So weit stimmt die Geschichte. Jetzt wird aber weggelassen, dass es in Nazca pistenähnliche Linien gibt. Die n2längste ist 3,8 Kilometer lang und beginnt bzw. endet abrupt. Dann wird weggelassen, dass ganze Bergkuppen künstlich abgeschnitten worden sind. Dass darauf Pisten gelegt worden sind. Wie Flugpisten aus der Luft. Das bekommt der Zuschauer in der sogenannten Dokumentation nicht zu sehen. Er sieht nur, wie man Steine wegkratzen kann. Es wird gelogen mit dem Bild. Jetzt habe ich oft Wissenschaftler hier, denen ich Bilder von Nazca aus meiner Archiv zeige. Ich habe 5.000 davon. Die Wissenschaftler sagen, das ist doch nicht Nazca, wo haben sie die gemacht? Dann sage ich, in Nazca, aber nicht da wo ihr wart. Nazca ist schließlich riesengroß. Nazca, Palpa, all die Täler gehören dazu. Sie wissen es ganz einfach nicht, es ist nicht Bösartigkeit.

Im Februar 1968 hast Du Dein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ im Econ-Verlag verlegt. Warst dort eine Zeit lang beheimatet und hast seitdem einige Verlage gewechselt. Bertelsmann, Goldmann,…

Nein, nur Bertelsmann. Goldmann ist eine Abteilung von Bertelsmann.

Schließlich bist Du aber im umstrittenen Kopp-Verlag gelandet. Wann oder warum ist das passiert?

Fangen wir von vorne an. Der Econ-Verlag war ein sehr seriöser Verlag. Und der Verlagschef, Erwin Barth von Wehrenalp, gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Als „Erinnerungen an die Zukunft“ in seinem Verlag auf den Markt kam und zum Bestseller wurde, kamen politische Autoren zu Herrn Erwin Barth von Wehrenalp und haben ihm gesagt, „wenn sie so einen Mist veröffentlichen wie diesen Däniken, dann können wir Autoren nicht mehr bei ihnen im Verlag publizieren“. Und der alte Herr von Wehrenalp hat die junge Leute angeschaut und gesagt: „Und wenn ich Herrn Däniken nicht hätte, könnte ich eure Bücher nicht verlegen, dann hätte ich das Geld gar nicht dazu“. Seinerzeit hat einer der führenden Chefs des Econ-Verlages zu Bertelsmann gewechselt. Mit ihm bin auch ich zu Bertelsmann gewechselt, das war der Grund. Ich habe nicht dem Econ-Verlag plötzlich den Rücken zugekehrt. Inzwischen ist es Kopp. Kopp gibt alle möglich Arten von Literatur heraus. Darunter gibt es rechte Literatur, nicht rechtsextreme Literatur. Ich kenne Jochen Kopp persönlich, der ist weit davon entfernt ein Nazi zu sein oder ein Populist oder was man den Leuten heute alles vorwirft. Jochen Kopp setzt sich für die freie Meinungsäußerung ein. Es gibt ja nicht nur rechte Literatur in seinem Verlag, sondern auch unsagbare Mengen von anderer Literatur.

„Rosenmedizin. So sanft heilt die Königin der Blumen“ zum Beispiel.

Warum nicht. Solche Geschichten werden auch anderswo verlegt. Der Autor ist nicht zuständig für die Entscheidung des Verlegers. Was der Verleger macht, was er herausgibt, muss er verantworten. Und da möchte ich nur immer klar an Artikel 5 Absatz 1 (https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122) im deutschen Grundgesetz erinnern. Das sagt klipp und klar: „Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. In Wort und Bild“. Frei zu äußern heißt auch Bücher schreiben, das ist eine Meinungsäußerung. Und dann steht im deutschen Grundgesetzt noch ausdrücklich: „Eine Zensur findet nicht statt“. Und jetzt kommen irgendwelche Schlaumeier, „Ja, aber das darf man doch nicht schreiben“. Mein Gott, ich bin mit vielem, was im Kopp-Verlag erscheint, nicht einverstanden. Mit vielem, was Autoren sagen. Aber das ist nicht mein Bier! Der verlegerische Entscheid, was im eigene  Verlag erscheint, ist eine Entschlusssache der Verlages. Und das hat der Autor zu respektieren. Wenn es ihm nicht passt, soll er den Verlag wechseln.

Wie fühlt es sich für Dich an, wenn neben Dir Bücher verlegt werden, die heißen „Countdown Weltkrieg 3.0“ oder „Selbstverteidigung im Straßenkampf“ oder „Nostradamus. Was jetzt aus uns zukommt“ oder „Krebs bekämpfen mit Vitamin B17“.

Damit habe ich doch gar nichts zutun. Das sind die Meinungen anderer Autoren. Das ist ihre freie Meinungsäußerung und ihr Recht. Ich will doch die nicht beschränken. Dann breche ich ja das Grundgesetz. Soll ich denen verbieten ihre Sachen rauszubringen?

Rein wirtschaftlich: Glaubst Du nicht, dass Du mehr Erfolg hättest, wenn Du in einem seriösen, mainstreamtauglichen Verlag publizieren würdest?

Nein, es ist umgekehrt. Der KOPP-Verlag hat immer viel mehr Geld für mich eingebracht als früher  Bertelsmann. Und Bertelsmann ist ein riesen Laden weltweit. Kopp setzt viel mehr um als alle anderen und nicht umgekehrt.

Aber Dein Teich, in dem Du fischst, ist begrenzt. Wissenschaftler oder Leser, die Dir kritisch gegenüberstehen, lassen womöglich lieber gleich die Finger davon, weil es ein Kopp-Buch ist.

Aber dann sind sie selber schuld. Dann haben sie ein kleines Gehirn. Sie sollen mal lesen. Ich kenne im Kopp-Verlag Titel, einer heißt zu Beispiel „Der Linksstaat“. Ich hab das Buch nie gelesen, mich interessiert es überhaupt nicht. Vom Kopp-Verlag erschien auch ein Buch gegen die Journalisten-Verschwörung oder Lügenpresse. Das war der Kopp-Verlag. Und der Autor, Ulf Ulfkotte, war ausgerechnet ein Journalist von früher, der lange Jahre in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gearbeitet hat und weiß, was in den Redaktionrn passiert. Und er schreibt ein Buch über die Lügenpresse. Mein Gott, es ist doch seine Freiheit darüber zu schreiben, wie er denkt, was er fühlt. Nehmt dem das Recht nicht! Und es ist Kopps Recht, so ein Buch zu verlegen. Wenn das anderen nicht passt, dann greift euch an den eigenen Arsch! Wenn ihr es nicht lesen wollt, seid ihr selber schuld!

Ich habe trotzdem noch eine Nachfrage.

Yes, don’t worry.

Glaubst Du nicht, dass der Kopp-Verlag Deinen Theorien und Dir persönlich schadet?

Nein, das liegt nur am Autor. Wenn ich Mist zusammenschreibe – Dinge, die nicht stimmen, die man sofort kontrollieren kann – dann schade ich mir. Bertelsmann ist eine riesen Kiste, aber Bertelsmann hat eigentlich nie für Däniken Werbung gemacht. Sie trauten sich irgendwie nicht, sie trauten sich nicht aus dem Häuschen heraus. Der Kopp-Verlag gibt alle zwei Monate ein dickes Heftchen heraus und macht Werbung für Däniken. Der traut sich das. Und auch für andere Autoren, selbstverständlich. Jochen Kopp persönlich, den ich gut kenne – wir sind nicht grad befreundet, wir haben schon ein paar Abende miteinander verbracht – war früher Polizeibeamter. Er ist ein grundehrlicher Mann. Weit entfernt davon, irgendwie ein Nazi oder ein Rechtspopulist zu sein.

Das war auch nicht meine Unterstellung. Bist Du Verschwörungstheoretiker? Du sagst, „Informationen werden von offiziellen Stellen bewusst nicht weitergegeben“. Das ist eine Verschwörung.

Ja, das ist so. Verschwörungstheorie, mir passt das Wort nicht. Es gibt Verschwörungen, wie wir vor einer halben Stunde diskutiert haben. Der CIA hat diesen Befehl herausgegeben an alle Geheimdienststellen, die UFO-Sachen sollen lächerlich gemacht werden. Das MoD (Ministry of Defense, Anm. Kirchner) in England hat ähnliche Befehle herausgegeben. Das wäre dann tatsächlich eine Verschwörung. Eine Verschwörung gegen die Öffentlichkeit. Die Öffentlich soll nicht erfahren, was da draußen passiert. Unter den Astronomen gibt es eine sehr starke Gruppe, die betreibt SETI. SETI steht für Search for ExtraTerrestrial Intelligence, die Suche nach außerirdischen Intelligenzen. Das sind alle ehrliche Leute, keine Verschwörungstheoretiker. Wunderbare, brillante Astronomen. Aber sie haben sich eine Selbstzensur auferlegt. Wenn irgendeiner von ihnen tatsächlich definitiv Beweise hat, dass es Außerirdische gibt, darf er nicht an die Öffentlichkeit. Zuerst kommt das Gremium, dann das nächste Gremium und dann das übernächste Gremium. Und erst, wenn die und die Gremien entschieden haben an die Öffentlichkeit zu gehen, gehen sie an die Öffentlichkeit. Entschuldigung, das ist eine Art Verschwörung. Wenn auch freiwillig auferlegt. Es ist nicht anders. Der einzelne Wissenschaftler darf nicht, er muss sich an die Spielregeln halten.

Von welchen Theorien nimmst Du Abstand? Was ist Dir zu absurd?

Es wimmelt davon. Die Erde ist eine Scheibe – gaga. Die Erde ist hohl – völlig bekloppt. Die ganzen UFOs sind in Wirklichkeit Nazis. Die haben unterirdische Bahnen in der Arktis oder Antarktis und in Argentinien. Das ist alles ein einziger Quatsch. Das hat etwas mit dem deutschen Rechtspopulismus zutun. Auch hier muss ich eine Geschichte erzählen. Hermann Oberth, man nennt ihn den Vater der Raumfahrt, war seinerzeit ein Professor. Als er schon ein alter Mann war, war er noch Gast in meinem Hotel, das ich als Direktor in Davos führte. Er kam mit seiner auch schon alten Tochter, die auch schon über 50 Jahre alt war. Wir hatten eine sehr gute persönliche Beziehung zueinander. Und schon damals kam das Thema auf, die Nazis haben UFOs und sich nach Argentinien gerettet. Ich hab den alten Herrn gefragt, habt ihr seinerzeit bei euch an UFOs gearbeitet? Er ist der Vater der Raumfahrt – Wernher von Braun war sein Schüler – und er sagt, „Ja, Herr von Däniken, wir haben daran gearbeitet. Aber wir brachten das Ding nie fertig, nie zum Fliegen“. Und dann meinte er auch noch etwas verbittert, „Hätten wir es geschafft, hätten wir den Krieg nicht verloren“.

Was würdest Du Dir für die Theorie der Prä-Astronautik seitens der Wissenschaft wünschen?

Einfach Offenheit. Die Prä-Astronautik ist eben multiwissenschaftlich. Sie ist interdisziplinär.  Wissenschaftler sind nicht gern interdisziplinär. Jetzt müsste man einen Theologen haben, der das Alte Testament und andere alte heilige Schriften auf unsere Weise abklappert. Stimmt das mit dem Propheten Hesekiel? Hesekiel beschreibt ein Fahrzeug, das herniederfährt, das Rauch und Feuer macht. Hesekiel beschreibt die beiden Felgen, die Flügel, die Räder und so weiter. Tatsache ist, Hesekiel existiert. In der Theologie hat man Hesekiel selbstverständlich psychologisch erklärt. Er hatte eine Vision vom lieben Gott. Er sieht den lieben Gott auf dem Thronwagen fahren. Jetzt müsste ein Theologe mit dem heutigen Wissen hinter Hesekiel. Ja, da ist was dran, man kann es auch von der Seite sehen. Und dann braucht man einen Raumfahrttechniker. Einen Raumfahrtwissenschaftler, der meint, es ist tatsächlich nicht unmöglich, die Sterne zu erreichen. Jetzt hätten wir schon zwei Wissenschaftler, die wir zusammenbringen müssten. Dann braucht es irgendeinen anderen Ingenieur, der tatsächlich nach Bolivien geht, ins Hochland 4.000 Meter und die Steine von Puma Punku untersucht und feststellt, dass sie tatsächlich nicht mit einfachem Steinwerkzeug bearbeitet wurden. Interdisziplinär. Es müsste ein ganzes Gremium von Wissenschaftlern sein, jeder aus seinem Fachbereich etwas dazu beitragen. Dann kommt man langsam zusammen. Ich bin ja schließlich auch kein Genie, sondern auch nur ein armer Hund, der Quellen sucht und versucht, sie zusammenzubringen. Das ist meine Freiheit des Geistes. Aber nicht die Rechthaberei.

Wäre Erich von Däniken kein berühmter Sachbuchautor. Wo könntest Du jetzt sein?

Ich wäre Musiker. Ich habe seinerzeit als junger Mann immer Musik gemacht. Ich habe Trompete und Klavier gespielt. Nicht besonders gut, aber immerhin. Ich war im klassischen und Jazzorchester. Von meiner Anlage her wäre ich irgendein Orchesterchef geworden. Jetzt lass mich ein bisschen übertreiben, in Richtung James Last oder etwas derartiges. Vermutlich wäre ich heute ein reicher Mann und wäre pensioniert. (lacht)

Was nicht ist, kann ja noch werden.

(lacht) Ich kann nicht auch noch Musiker werden.

jazzland copyDu hast sogar in Wien in den 70er Jahren in einem Jazzclub – dem Jazzland – gesungen.

Das war lächerlich, da hatten wir ein bisschen Alkohol. Das war mit Walter Ernsting alias Clark Dalton, das war nichts Besonderes. Es ging ein paar Minuten.

Aber es gibt ein Foto. Immerhin. Was sagst Du zur modernen Musik? Spricht Dich da irgendwas an?

Wenig. Ich bewundere Musiker. Michael Jacksons Musik habe ich immer sehr bewundert. Auch Elton John, wunderbare Musik. Das sind wirklich ganz feinfühlige Menschen, die etwas Herrliches zusammenbringen. Hingegen die Bum-bum-Musik, das Gequatsche, das ist mir zuwider. Genauso übrigens wie die alpenländische Musik. Ich kann damit einfach nichts anfangen.

Wie ist Deine Beziehung zu Wien?

Ich liebe Wien. (lacht) Wien ist eine Stadt, die habe ich immer gern gehabt. Nicht wegen der Stadt, sondern wegen den Menschen, die ich dort treffen durfte. Alle Menschen, mit denen ich in Wien zusammenkam, waren liebenswerte Menschen. Irgendwie hatte sie Gold im Herzen, keiner war bösartig. Je nachdem, wenn man halt Menschen in einer Stadt kennt, mit denen man natürlich am Abend zusammensitzt und trinkt, dann beginnt man die Stadt zu lieben.

Gehst Du ins Kino?

Nie. Ich hab nie Zeit dazu. Der letzte Film, den ich gesehen habe, ist ein paar Jahre zurück. Das war Avatar.

Das heißt, es müssen dann schon Filme sein, in denen Außerirdische vorkommen?

Nicht unbedingt. Aber es müssen Freunde sein, die mich überreden. Dann gehe ich ins Kino. Ich habe so viele interkontinentale Flüge, da läuft alles. Die neusten Filme siehst du auf den Transatlantikflügen. Zwölf oder noch mehr Stunden unterwegs nach Brasilien oder nach Los Angeles und dann hast du wieder drei Filme konsumiert.

Wenn Dein Leben verfilmt werden würde – meines Wissens gibt es Menschen, die haben diesen Plan – welcher Schauspieler sollte Dich spielen?

Keine Ahnung. Ich kann die Frage nicht beantworten. Der müsste schon einigermaßen sein, wie ich. (lacht)

„Mein Antrieb ist da. Ich möchte beitragen, den Zeitgeist zu verändern.“ingi

Du bist in ein paar Tagen 82. Du sagst selbst, für Deinen Lebenswandel – Du rauchst, Du trinkst gerne Rotwein – bist Du recht fit. Nichtsdestotrotz, Du hast seit letztem Jahr einen Herzschrittmacher, Du hast laufend Vorträge rund um den Globus und bist nachwievor reisend unterwegs. Unter anderem auch mit geführten Reisegruppen. Mutest Du Dir manchmal selbst zu viel zu? Oder mutet man Dir manchmal zu viel zu?

Nein. Es sind nicht die anderen, die mir das zumuten. Ich selbst will das. Ich könnte ja nichts tun, sozusagen Pensionär sein. Ich glaube, dann wäre ich tot. Das ginge einfach nicht. Mein innerer Antrieb ist da. Ich möchte beitragen, den Zeitgeist zu ändern. Und ich habe das Gefühl, jetzt wo ich 82 bin, hört man eher auf mich als früher, wo ich ein junger Spund war. Ich erlebe es an jedem Vortrag. Jeden Abend, wenn ich Bücher signiere, frage ich die Gäste, was sie beruflich machen.  Nicht aus einer Laune heraus – ich möchte einfach wissen, welche Leute da sitzen. Und immer sind Wissenschaftler dabei. Sie gestehen dann, sie seien Dozent an einer Hochschule und kamen vielleicht widerwillig um zu hören, was ich sage. Ich möchte dazu beitragen, den Zeitgeist zu ändern. Seht es mal von der anderen Seite an. Das ist meine Aufgabe. Eine Art missionarischer Eifer, der mich hier treibt.

Wie geht es Dir grundsätzlich mit dem Älterwerden? Ist das was Schönes oder siehst Du schon beide Seiten?

Nein, Älterwerden ist nichts Schönes. Überhaupt nicht.

Heute hatte ich eine Buchwerbung in meinem E-Mail-Eingang: „Das Geheimnis des Jungbleibens“. Würdest Du noch gern jung sein?

Ich glaube, das würde jeder gern. Nicht jung wie achtzehn oder zweiundzwanzig Jahre. Man müsste den Verstand und sehr viel gelernt haben. Wie ein Fünfzigjähriger. Das wäre ideal. Dort sollte man Stopp machen und immer etwa fünfzig bleiben.

In einem Interview mit der Welt am Sonntag aus dem Jahr 2008 hast Du gesagt, Du hast von Deiner Todesursache geträumt und es wird keine natürliche sein. In Deinem Traum wurdest Du in einem Restaurant erschossen.

Den hatte ich dreimal hintereinander. Der Traum war so real, sowas von real. Im Traum schmeckte ich, roch Speisen oder den Wein oder die Luft in dem betreffenden Lokal. Es war alles sehr, sehr real. Als der Schuss kam – und ich wusste vorher, dass der Schuss kommt, das ist ja der Witz – gehe ich zur der Türe raus und kriege einen Schlag in die Schläfe und wusste genau, jetzt ist es passiert. Dann greif ich noch mit einer Hand an die Schläfe – hier blutet man kaum, da gibt es wenig Blutgefäße. Ein bisschen Blut war da, ich hab das noch gesehen und konnte die Finger kaum mehr auseinander bringen. Im Traum war alles sehr real. Der Schweiß, die paar Blutstropfen. Es hat mich beeindruckt.  Hinterher bin ich nicht sicher, ob das tatsächlich stattfinden wird oder schon stattgefunden hat in einem frühere Leben in einer anderen Dimension. Oder in einer anderen Dimension stattfinden wird. Ich habe es nur intensiv geträumt.

Weißt Du, wer Dich erschießt?

Nein.

Ich bin’s nicht.

Nein, nein. (lacht) Ich weiß es nicht, irgendein junger Mann. Der hockt auf einem Baum mit einem Zielgewehr.

Wenn Du selbst Regisseur Deiner letzten Szene sein könntest, wie würdest Du gern sterben?

Nein, ich möchte nicht Regisseur meiner letzten Szene sein. Wie möchte man gern sterben? Am liebsten, dass alles einigermaßen geregelt ist, dass keine Panik hinterher passiert und man friedlich einschläft.

Du machst Dir schon Gedanken über Deinen Tod.

Darüber macht man sich immer Gedanken. Das Gedächtnis lässt nach. Schon vor dreißig, vierzig Jahren konnte ich mir nie Namen merken. Man kann mir an einer Party Menschen vorstellen und ich weiß fünf Minuten später nicht mehr, wie die geheißen haben. Aber nicht erst jetzt, schon dauernd. Und dann entfallen einem plötzlich Sachen – beruflich Gott sei Dank noch nicht – es entfallen einem andere Sachen. Ich rede mit meiner Frau über irgendwen und weiß nicht mehr, wie die Person hieß. Das macht einem schon Gedanken.

Du sagst, Du betest nachwievor jeden Tag. Hilft Dir Dein Glaube mit dem Gedanken des Todes besser umzugehen?

Ja, definitiv. Ich weiß, das Universum existiert. Wir leben ja in einem Universum. Und das Universum hat irgendwo einen Ursprung. In der Religion sagt man  dazu Gott, in der Wissenschaft sagt man Urknall. Den Ursprung verstehen wir nicht. Ich sage jetzt mal Gott. Ganz weitläufig nenne ich es auch den grandiosen Geist der Schöpfung. Dahinter steckt ein Geist. Etwas Geistiges kann man nicht fassen. Etwas Geistiges ist Vibration zwischen den Atomen, zwischen den subatomaren Teilchen. Und ich bete an diesen grandiosen Geist der Schöpfung gerichtet. Ich sage, es ist wunderbar mikroskopisch kleiner Bestandteil dieses grandiosen Geistes der Schöpfung, des Universums zu sein. Ich finde es herrlich, ich bin dankbar. Ich sage auch, ich hätte einen Wunsch. Ich möchte das und das noch machen, wenn möglich. Deshalb fühle ich mich vermutlich sauwohl.

Hat Deine Theorie bzw. die Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI ohne Dich Fortbestand?

Definitiv. Wir haben sehr, sehr gute Leute. Der Herr Fiebag ist ein guter Mann. Ueli Dopatka ist ein guter Mann. Wir haben sehr gute Leute in der Organisation. Der Ramon, mein persönlicher Sekretär, der beherrscht das alles, der schmeißt das Büro, der führt die Korrespondenz. Ich bin sicher, der wäre ein brillanter Nachfolger. Das würde alles weiterlaufen.

Was passiert mit Deinem Archiv?

Das bleibt alles. Wer es hinter mir will, kann es weiterbenutzen. Wir haben 200.000 Bilder von archäologischen Orten hier. Und aufgrund vieler Bilder kann ich beweisen, dass heute beschissen wird.

Wie sollen die Menschen in 300 bis 400 Jahren von Dir sprechen?

In 300 bis 400 Jahren reden die überhaupt nicht mehr von mir. In 300 bis 400 Jahren bist du Legende, wenn du überhaupt noch existierst. Wenn ich tot bin, bin ich tot. Was danach passiert, ist eine andere Geschichte.

Erich, ich danke Dir fürs Gespräch.

Definitiv. Dankeschön, Herr Kirchner.


Der Autor ist mit Erich von Däniken befreundet und deshalb per Du.

Nicht gekennzeichnete Fotos: © Erich von Däniken
Titelfoto: © Andreas Kirchner

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