FREIGEDACHT

„Jessas, Maria!“

24. August 2019

Während meines Italien Road Trips mit einem sehr guten Freund ist mir in Rom, der ewigen Stadt, die mit Abstand absurdeste und lustigste Geschichte meines bisherigen Lebens passiert. Eigentlich könnte mir das Geschehene auch peinlich sein und vermutlich sollte ich auch nie darüber sprechen oder gar schreiben, aber das geht einfach nicht. Und da Gott ja bekanntlich alles sieht, wüsste ich nicht, vor wem ich ausgerechnet diese Geschichte noch verheimlichen sollte. Diese Episode wird mich bis an mein Lebensende unterhalten. Warum dann nicht auch meine Leserinnen und Leser?

Unbedacht, aber bereits mit einer gebuchten Unterkunft, fuhren wir in Rom ein. Ganz entgegen der Eastwood-Methode „Ich reite in die Stadt ein, der Rest ergibt sich“, an die wir uns die Tage davor hielten. Schon als ich mit meinem Auto zur Einfahrt einbog, kam eine gewisse Skepsis in mir auf. Kann das wirklich unser Hotel sein oder handelt es sich um den Justizpalast Roms und wir haben uns in der Straße geirrt? Bereits die Einfahrt zu diesem Anwesen entsprach nicht unseren Vorstellungen. Nicht, weil die Gegend oder die Einfahrt an sich so nobel war, sondern weil wir vor einem riesigen, weißen Tor standen. Wir läuteten und nach ein paar Augenblicken schob sich das automatische  Tor zur Seite. Ich fuhr mit dem Auto durch die Einfahrt und parkte vor einem schneeweißen, großen Gebäude mit dunkelbraunen Fensterläden. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch immer ziemlich sicher, dass wir hier falsch sind. 

Nachdem wir die langen Stufen zur Eingangstüre ehrfürchtig hinter uns ließen, öffnete ich die hellbraune und ab meinem Kopf noch mindestens einen Meter in die Höhe ragende Holztüre, die zwei Welten trennte. Auf der einen Seite die römisch Stadtluft. Aufgeheizt auf weit über 30 Grad und nicht sehr rein, als wäre die schlechte Luft in und über der italienischen Hauptstadt bereits zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Auf der anderen Seite eine gut klimatisierte Eingangshalle, die für die nächsten zehn Minuten als Bühne für ein ganz besonderes, surreales und für mich unvergessliches Schauspiel dienen soll. Schon beim Eintreten in die Eingangshalle, die zugleich auch Rezeption ist, bemerkte ich Fotos vom Papst und von anderen mir nicht bekannten biblischen Personen auf den Wänden. Genauso wenig war das große Kreuz zu übersehen, unter dem jeder Gast beim Eintreten durchschreiten musste. Hinter dem Rezeptionstisch befand sich ein Türbogen, durch den man in einen weiteren Raum sah. Der Nonne, weit über 80 und in einem weißen Habit, signalisierte ich freundlich und immer noch ehrfürchtig, dass wir gerne einchecken würden.

Mühsam erhob sie sich vom Sessel, wackelte langsamen Schrittes zu uns und bat um unsere Pässe. Mit den Papieren ging sie wieder gemütlich zurück zu ihrem Schreibtisch und tippte noch langsamer als sie ging, aber durchaus mit Charme, die von ihr benötigten Daten in die Tastatur des  Computers. Nach gefühlten fünf Minuten kam sie wieder hervor, bat mich um zwei Unterschriften und fragte nach der Zahlungsvariante. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie einige Zeit bei Zürich lebte und daher perfektes Deutsch beherrscht. „Mit Karte oder bar?“, war ihre Frage. Nach kurzem Hin und Her, welche Variante ihr lieber sei, entschied ich mich, bar zu zahlen. 

Ich nahm meine Geldbörse aus meinem Rucksack, öffnete sie, zog drei 20-Euro-Scheine heraus und legte sie auf vor sie hin. Dabei rutschte ein schwarz-gold verpacktes Kondom aus dem Fach, in dem auch die Geldscheine waren, und landete neben dem Geld direkt vor der Nonne. Die Schamesröte muss mir umgehend ins Gesicht gestiegen sein. Ich griff zum Kondom und äußerte einen Spruch des Erschreckens. Nicht irgendeinen, sondern einen, den ich oft verwende. „Jessas,  Maria“. Eine Steigerung wäre es nur noch gewesen, hätte die Nonne mit „und Josef“ geantwortet.


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